Sonntag, 5. Februar 2012

Abenteuer Kälte

Ein strahlender, eiskalter Sonntagmorgen. 
Vor unserer Haustüre ein wunderbares Bild:


Hinter unserer Haustüre aber - es ist unglaublich, was sich da abspielt. Die Kälte nämlich, die bleibt nicht vor der Haustüre, die kommt einfach hinein. Und das nicht nur bei der Haustüre, sondern rund ums Haus. Überall findet die Einschlupf. Kein Wunder, es gibt ja auch keine Isolation. Deshalb drohen die Wasserleitungen einzufrieren. Hätte sich der Daniel nicht zum Wasserleitungsflüsterer gemausert, ich denke nicht, wo wir noch fliessend Wasser hätten. 

Dafür mausert sich unsere Heizungsstation zum Holzwarenlager:


Da ist einmal das ganz normal gespaltete Holz...


... dann haben wir da die Späne, die sich bestens eignen, um eine fast einschlafende Glut zu neuem Leben zu erwecken...


... das Anfeuer-Holz...


... die Buchenholz-Tütscheli, die sind auch ganz gäbig zum Anfeuern oder einfach so zum Feuern...


... dann haben wir da so Dingerchen aus gepressten Holzspänen, die brennen auch schön, vor allem schön lang...


... das sind die Ahfüürerli, die sind ganz gäbig, da braucht man dann keine Zeitung mehr, weil das darf man ja auch nicht, Zeitung verbrennen, das wissen wir aber erst, seitdem die Häni-Aelligs uns aufgeklärt haben, das sind alte Hasen in Sachen Füüren...


... und zu guter Letzt die Tannenzapfen. 

Natürlich gibt es noch die Brickets, die sehen aber nicht so schön aus und die stinken vor allem sehr unschön. Aber, wenn wir ein Spaziergängelchen machen wollen, dann müssen halt die Dinger rein, was soll's?! 

Tja, da heizen wir von morgens früh bis abends spät und immer wieder kaltet unser Heimetli aus. Dann ist es noch sechs Grad in der Küche, wie heute Morgen. Glücklicherweise sind die Nächte, auch wenn sie eisig sind, wunderbar warm und kuschelig, dank meiner Wunderdecke

Alles in allem: Es ist beeindruckend, die Kälte so intensiv zu erleben, so nah an der Natur zu sein. Und man gewöhnt sich sogar daran - ich bin noch nicht soweit, aber auf dem Weg dazu. Dann dusche ich halt bei null Grad, was soll's?! Dann schreibe ich halt mit Handschuhen, enusode. Abgesehen davon wird man kreativ, entdeckt überall Möglichkeiten, Wärme zu erzeugen und Wärme zu halten. Und mein Ordnungs- und Sauberkeitsfimmel macht dem Praktischen und Nützlichen Platz. 
Ich behaupte nicht, dass ich diese Kälte liebe, aber ich erlebe mich neu und das ist ein kleines Abenteuer. Ich bin echt erstaunt, wie sehr ich landlebens-tauglich bin! ;-)

Abgesehen davon: Die Kälte und der Winter haben auch ganz tolle Seiten...


... ich finde, ich mach' mich ganz gut als Schneekönigin von der Stuelegg fünf in Chrattigen...




... und kaum sind wir vo Huus, sind wir mitten in den Bergen oder zumindest in den Voralpen, die im Moment ganz zauberhaft aussehen...




... und unser Heimetli macht Gattig, zumindest von aussen, sehr warm und gemütlich zu sein, was es ja rein theoretisch auch ist.




Wer Lust hat, vorbei zu kommen - Thermounterwäsche ist ein Muss, sonst wird das Käfele nicht wirklich gemütlich - darf das gerne tun!



Sonntag, 8. Januar 2012

Liebe ist...


Spannend! 
Sie wird sehr unterschiedlich verstanden, empfunden und gelebt. Da sagt einer, gegenseitige Abhängigkeit ist eine gute Basis für die Liebe. Unabhängigkeit ist Egoismus. Eine andere sagt, Abhängigkeit ist Gift für die Liebe, Unabhängigkeit fördert die Liebe. Weil dahinter die Idee steckt: Ich brauche dich nicht, ich kann gut ohne dich leben. Aber ich will mit dir leben, weil es Spass macht mit dir, weil ich einfach ganz furchtbar gerne mit dir zusammen bin. Da sagt der, der auf Abhängigkeit setzt, entrüstet: Voilà, da haben wir ihn, den puren Egoismus. Es ist doch eine Unverschämtheit, wenn mir meine Partnerin sagt, dass sie mich nicht braucht. Wenn dem tatsächlich so ist, dann kann ich gehen, dann will ich auch gehen. Was soll ich in einer Beziehung, wenn ich nicht gebraucht werde?!

Wieder eine andere sagt, sei mutig und stehe zu deiner Bedürftigkeit. Echte Liebe braucht dieses Eingeständnis und macht es schliesslich möglich, dass man sich ineinander und aneinander verliert, was wiederum die Leidenschaft fördert.

Leidenschaft! Die hat ihren Reiz, alleine im Wort liegt auf eine seltsame, schon fast magische Art, ein Zauber oder zumindest eine Faszination. Aber mehr in der Idee, was sie sein könnte, zumindest in unserer Fantasie, als was sie tatsächlich ist. Leidenschaft. Da ist also das Leiden im Spiel, bzw. etwas, das Leiden schafft. Aus meiner Sicht schafft Bedürftigkeit Leiden. Wer bedürftig ist, der braucht, der hofft, der erwartet. Ist es ein Zeichen von Liebe, dass ich jemanden brauche? Liebe hat für mich in ihrem Kern etwas Bedingungsloses. Ich selber habe jedenfalls nicht unbedingt das Gefühl, geliebt zu sein, wenn jemand mir sagt, er brauche mich, er erwarte von mir Dieses und Jenes, er hoffe auf mich… Hingegen fühlt es sich unglaublich beglückend an, geliebt zu sein und dabei zu wissen, dass ich tun und lassen kann, wozu mein Herz mich führt. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Ehrlichkeit. Ich bin ich. Ich kann und will nicht aus „Liebe“ zu jemandem mich selber verleugnen und Dinge tun, die mir absolut nicht entsprechen, die mir nicht liegen, nicht wichtig sind.

Deshalb fasziniert mich die Unabhängigkeit in der Liebe. Ich liebe jemanden, weil ich das will, weil dieser Mensch in meinen Augen grundsätzlich grossartig und wunderbar ist und weil es mir eine Freude ist, mit ihm Zeit zu verbringen. Weil ich diesen Menschen nicht brauche, kann er das tun, was ihm wichtig ist. Verlange ich nichts von ihm, gestehe ich ihm seine Eigenheiten zu. Und will ihn vor allem nicht besitzen und festhalten.

Ob das realistisch ist? Mir fällt es tatsächlich schwer, einen Menschen ziehen zu lassen, den ich liebe, der mir wertvoll ist. Aber mir ist bewusst, dass ich es mir nicht erlauben kann, einen Menschen festzuhalten und gleichzeitig zu behaupten, dass ich ihn liebe.

Was die Leidenschaft betrifft: Sie hat für mich viel mit Sehnsucht zu tun, damit, mich in einem Menschen zu verlieren, zu verschmelzen – und schliesslich anzukommen. Diese Sehnsucht ist mir sehr vertraut, holt mich immer wieder ein. Ich konnte sie bis heute nicht stillen. Ich denke auch nicht, dass sie zu stillen ist - ausser vielleicht für einen kurzen Moment. Weil sie eine Illusion ist, ein Traum. 

Ob es eine Alternative dazu gibt? Ich denke schon. Diese Alternative bedingt aber, dass ich die Liebe nicht klein mache oder eingrenze, dass ich aufhöre, sie zu verzaubern und sie damit alltagstauglich mache. Die Liebe ist ihrer Natur entsprechend allgegenwärtig. Sie will gesehen, gelebt werden. Liebe hat darum für mich mit Achtsamkeit zu tun, mit meiner Präsenz im Hier und Jetzt. 

Liebe hat auch damit zu tun, wie sehr ich mich für mich und das, was in mir brennt, engagiere. Dass mein inneres Feuer brennt, ist meine Verantwortung. Dieses Feuer zu hüten und zu pflegen, das hat viel mit Liebe zu tun – das ist Liebe.

Ich bin mir gewohnt, Alternativen zu haben, wählen zu können. Mir scheint, dass ich, bezüglich der Liebe, je länger, je weniger Alternativen habe. Weil nichts so wohltuend ist, wie die Liebe zu leben, will ich sie leben und mich damit von Träumen und Idealen verabschieden. Damit gebe ich mir die Möglichkeit, mich von der Liebe überraschen zu lassen. Es ist charakteristisch für die Liebe, so wie ich sie kennen gelernt habe, dass sie überrascht und meinen Träume und Sehnsüchten auf einzigartige Weise begegnet – und mich ankommen lässt, hier und jetzt.

Dienstag, 3. Januar 2012

Aufgehoben



Ich gehe und laufe
und renne
und bin
doch immer nur
wieder
ich
und hier
und jetzt

bemühe mich trotzdem
weil sich das so gehört
und weiss nicht
warum und wieso
ich nicht

und dann doch
zärtlich umhüllt
von Liebe und Leben
getragen, gehoben,
versorgt und beschenkt

bin
und
bleibe


Montag, 2. Januar 2012

Sälü, du nöis Jahr u Proscht!


2012. Voilà, da ist es also, das neue Jahr. Nun denn, mir spielt das eigentlich keine Rolle. Mir gefällt die 12 besser als die 11, von daher finde ich es okay. Ansonsten? Es wird sich nichts ändern (Muss sich überhaupt etwas ändern? Wenn ja was und wie viel?), jedenfalls nicht einfach so. Oder wenn einfach so, dann nicht wegen des neuen Jahres. Sondern zum Beispiel weil...


... das Dach, unter dem ich hause, ein etwas anderes ist, als noch vor einem Jahr. Das bringt mit sich, dass ich jetzt eine geschäftige Holzheizerin bin, dick eingemummelt und wild entschlossen, das Haus warm zu bekommen. Allerdings bin ich Realistin genug, um zu akzeptieren, dass mir das für das Bad und WC nicht, bzw. in nur beschränktem Mass, aber durchaus genügend - wär bruucht scho meh aus 13 Grad zum Düschele?! - gelingen wird. Das wiederum hat zur Folge, dass das Duschen eine sehr effiziente Angelegenheit geworden ist und dass ich mit meiner WC-Lektüre nicht so richtig voran komme. Oder...


... weil das cheibe Chrattige schon so ein bisschen in den Bergen ist und es mich deshalb hin und wieder nach Zürich zieht. Da geht das Flanieren im chicen Wintermänteli flott vonstatten und ich wundere mich fast ein kleines bisschen, wie gemütlich dieses Zürich doch sein kann. Obendrauf entdecke ich viel Inspirierendes...


... und Aufmüpfiges. Genau deswegen gehe ich nach Zürich und Zürich hat mich noch nie enttäuscht.


Höchstens ein bisschen genervt. Was wenn doch? Was, wenn sich doch eine grosse Katastrophe anbahnt, weil der Maya-Kalender fertigschluss ist? Damit habe ich mich noch nicht wirklich beschäftigt - ich sehe keinen Sinn darin. Ich finde es sinnvoller, mich zu fragen, was sein wird, wenn mein Gärtli, blühend und spriessend, von einem bösen Hagel überrascht wird und mir alles Zhudels und Zfäzzens kaputtet. Das sind meiner Meinung nach sinnvolle Sorgen!  

Ein paar Schritte weiter entdecke ich ein Stück Heimat u das z Züri, wär hätt das dänkt?! 


Allerdings: Theoretisch weiss ich schon längst, dass Zürich genau so urig sein kann wie Krattigen und dass es in Krattigen genau so hektisch und turbulent zu und her gehen kann, wie in Zürich - dafür sorge ich höchst persönlich! 

Irgendwann ist genug Zürich und ich gehe gerne wieder nach Hause. Dort entwickle ich in meinem Schreibstübli ganz viel Rauch, weil dieses cheibe Züri schon zu denken gibt - das heisst, seine Inspirationen - und vor allem zu schreiben. Also nicht nur Zürich, auch mein Gärtli, will heissen: mein Garten. Das Li ist völlig fehl am Platz, der Kerl ist riesig. 

Zum Glück habe ich die Berge, die sich direkt vor meiner Haustüre auftürmen und mich so freundlich begrüssen, wenn ich das Haus verlasse:


Schon schön, dass mein Zuhause auch ein Rückzugsort ist. Die Berge tun meinem Herzen wohl und irgendwie fühle ich mich hier schampar heimisch... Wen wundert's, meine Wurzeln liegen im Berner Oberland. 

Aufs neue Jahr hat das allerdings überhaupt keinen Einfluss. Und darum weiss ich je länger, je weniger, warum wir so ein Gschiiss machen um das Silvester und Neujahr und so tun, als würden wir bei Null anfangen oder zumindest ganz neu und einmal mehr wild entschlossen sind, uns zu bessern oder zu ändern oder sonst zu zügerlen. Ja nu, jedem sein eigenes Gschiiss. Meines dreht sich momentan grad um meinen Holzofen, meine Bettdecke und um meine Küche. Und eben: im Sommer wohl dann um meinen Garten.

Sonntag, 20. November 2011

Nach Hause kommen


Das ist jetzt also unser Heimetli in Krattigen. Seit einer Woche wohnen wir hier, geniessen die Sonne, das Einrichten und Iihüselen.


Ein Holzhaus mit einer Holzheizung. Und mit viel Holz zum Holzen.


Die lange Bank. Wie viele Leute haben sich da wohl schon drauf gesetzt und welche Geschichten mögen sie einander erzählt haben? Wenn ich mucksmäuschenstill bin und genug lange warte, dann dünkt es mich, kann ich sie hören, die unzähligen Stimmen... vielleicht verstehe ich sie ja eines Tages sogar? 


Im Kreis drehen tut sich hier alleine das Mobile des Schwemmholzkünstlers Paul. Unsereiner hat zu tun. Schreiben und fötelen und websitlen und holzen und füürlen (Morgens um sechs eine leicht frostige Angelegenheit, die sich allerdings bestens eignet, um garantiert hellwach zu werden.) und aufräumen und suchen (Wo isch das cheibe Glettise?) und waschen (Nach der ersten Überschwemmung funktioniert die Maschine perfekt.) und düschelen (Wenn ich das Öfeli im Bad einschalte, geduldig warte, dann ist es im Badezimmer bestimmt 15 Grad warm und ich kann düschelen. Das Wasser kommt zum Glück ganz heiss zur Leitung raus.) und kochen (Das Chücheli funktioniert perfekt, hat aber oft nicht mehr als 15 Grad.).


Wichtig ist aber offenbar, dass man zwischendurch den Kopf aus dem eigenen Leben hinaus streckt und sich ein bisschen umschaut, was denn sonst noch so läuft auf der grossen weiten Welt. Dabei sind die Leitern im oberen Stock eine grosse Hilfe. Sie sind lang und stabil. Ich glaube, wenn ich die alle aneinander reihe, dann komme ich damit wahrscheinlich bis aufs Morgenberghorn (mein neuer Hausberg) und von da aus ist die Sicht bestimmt bis fast nach Paris gewährleistet.


Aber äbe. Was soll ich mit Paris hier in Krattigen? Na ja, ein bisschen gwungere fägt halt schon. Aber dann wieder tifig in die eigene Stube und dafür sorgen, dass die nicht auskaltet und dass es sich hier leben lässt. 

Mittwoch, 9. November 2011

Entdecken, was ich brauche


Mein Lehrer hat mir alles genommen,
woran ich mich halten konnte.
Wenn ich Zuwendung suchte,
schloss er seine Augen.
Auf einer langen Wanderung sah er,
wie meine Füsse bluteten,
aber er hat nicht angehalten.
In seinem Haus gab er mir das kälteste Zimmer
und liess mich lange hungern.
Manchmal band er mich fest,
ohne Grund, eine Nacht lang.
Er quälte mich mit Gedanken,
an die er nicht glaubte.

So lernte ich entdecken, was ich brauchte,
und gab es mir selbst.
Ich griff in eine Tiefe, die ich nicht kannte.
Ich wurde der Lehrer,
sah mich an,
umwickelte liebevoll meine Füsse,
machte ein wärmendes Feuer,
gab mir zu essen,
band mich los,
schickte die Gedanken fort
und kam an in dem Haus meines Lebens.
Ich hörte mich
und fand zu mir.

Ulrich Schaffer

Donnerstag, 3. November 2011

Ein wunderschönes altes Hotel

Im Moment lebe ich im Parkhaus Bubenberg in Spiez. Noch für gut 10 Tage. Darum musste ich ein paar Fotos schiessen, bis jetzt hab' ich das immer verpasst.


Das Parkhaus ist ein wunderschönes altes Hotel. Schon seit bald 40 Jahren sind Wohnungen drin und noch immer fahren Gäste vor, die hier gerne ein paar Nächte schlafen möchten. 


Ich liebe dieses Haus. Es ist immer wieder eine Freude für mich, dieses schöne Hotel zu bewundern. 



Der Eingang. Mit Stufen und Vorplatz. 




Beim Öffnen der schweren Eingangstüre gehe ich über diese Mosaiksteine. Sie sind ein Beispiel dafür, wie gut die Besitzersfamilie zu diesem Hotel schaut und alles daran setzt, die Eigenheiten zu bewahren. 




Das ist der Eingangsbereich. Grosszügig und einladend - das beschert einem immer wieder ein Gefühl des Willkommen-Seins. 




Die Treppe nach oben mit einem massiven Treppengeländer. 
Das Treppenhaus übrigens wird von Etage zu Etage einfacher. Offenbar haben früher im unteren Bereich die Gutbetuchten in den teuren Zimmern übernachtet.




Die Wohnung ist einfach ausgebaut. Ich zeige hier keine Bilder davon, weil im Moment überall Zügelkisten stehen. Dafür zeige ich ein paar Details...




... wie den Mosaikboden im neun Meter langen Korridor...




... und den Parkettboden der Zimmer.




Das ist die Aussicht aus meinem Atelier, die ich jeden Tag bestaune.


Ich erlebte eine gute Zeit in diesem Hotel und ich habe seine Vorzüge sehr genossen. Jetzt ziehe ich weiter, weil für etwas anderes die Zeit gekommen ist.