Dienstag, 14. Juli 2015

Es knackt wieder

aus der Küche
Hund und Mann
essen Nussstängeli
obschon
oft betont und wiederholt
die Abmachung gilt
es gibt nichts vom Tisch
auf keinen Fall


















was man sich doch
so alles vornimmt
wenn man einen Hund
hat und erziehen will
und dann auf einmal

knackt es halt wieder
und ich setz‘ mich dazu
ich sag’ mal nichts
vorerst
von mir kriegt er auch nichts,
der Hund
das ist ihm ziemlich egal
es gibt ja den Mann

ich sitze daneben
und fühle mich ausgeschlossen
aus der Nussstängeli-Teilet
glücklich
macht mich das nicht

glücklich aber sind
Hund und Mann
immer mal wieder
wenn es knackt
aus der Küche

Dienstag, 16. Juni 2015

Sommernebel

















Während er sich ausbreitet
der dichte Nebel
mitten im Sommer
stehe ich hinter dem Fenster
will abwarten
bis er verschwindet

Der Nebel ist grau
ist herbstlich
er passt nicht
nicht hier, nicht heute
warum merkt er das nicht?


















Es ist still und ruhig
der Nebel schliesst mich ein
ins Hier und Jetzt
in meine Fragen, meine Vorstellungen
von dem, was passt und was nicht passt
in meine Kurzsichtigkeit, meine Starrheit

Und während ich da sitze
benebelt von meinen Vorstellungen
wie was sein sollte
schliesst sich der Nebel noch etwas dichter ums Haus
er scheint mich zu mögen
will mich umarmen
und ich frage mich

warum eigentlich nicht?
und sage zaghaft 

hallo Nebel

















Du bist um mich
du haust in mir

wie meine Ungewissheit, meine Angst

Das Leben ist manchmal undurchsichtig
und neues Leben entsteht immer in der Dunkelheit
neue Wege beginnen im Verborgenen

Ich höre auf abzuwarten
ich setze einen Schritt vor den anderen
spüre den festen Boden unter meinen Füssen
während sich mein Blick im Nebel verliert

heute geht es für mich nicht darum zu sehen
sondern einer Ahnung zu folgen
die aufsteigt
wie ein Sommernebel

Samstag, 21. Februar 2015

Alte Eltern






















Viele Jahre gelebt, gemeinsam geteilt
Freude und Schmerz
Leben geschenkt, Leben verloren
treu und fleissig, hilflos manchmal und ratlos 
doch immer wieder
entschlossen voran gegangen
gehofft, geglaubt, geliebt
vertraut
auf Gott und die Kraft der Liebe
immer nur das Eine
für uns gewollt
das Beste, das Glück

alt geworden und müde
und immer auch wieder
überraschend lebendig
interessiert und teilnehmend


























ich koste sie aus
die gemeinsamen Momente
die herzhaften Küsse und Umarmungen
sie sind gezählt 
und doch 

ich stehe
auf euren Schultern
ihr geht mir voran
ich trage euch in mir und
ihr tragt mich in euch























wir bleiben verbunden
durch die Liebe

weit über den Tod hinaus


Mittwoch, 18. Februar 2015

Vom Lieben und Auskosten oder vom Sehen, was da ist

Wie schön: Eine Freundin von mir sucht gerade Rat bei mir bezüglich Mann. Da lernt sie einen kennen, völlig lockerflockig, natürlich übers Netz, genauer über Facebook. Er hat sich bei ihr gemeldet, sie haben sich dann mal gesehen, als es grade so ging. Er hatte eine Lesung, sie war Zuhörerin. Zu ein paar persönlichen Worten ist es nach der Lesung gekommen. Sie war glücklich, weil es eine gute Begegnung war. Dann wieder Kontakt übers Netz und dann wieder Pause und dann, eines Tages, reicht es doch tatsächlich für einen Chat. Jetzt, so scheint es mir, ist sie gerade sehr glücklich. Dass es einen solchen Menschen überhaupt gibt! Oh Wunder, oh Wunder. Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Ich muss ja zugeben, ich wollte ihr diesen Mann anfangs ausreden. Er ist ziemlich bekannt, sieht echt gut aus, jedenfalls so, dass man als Frau leicht auf ihn abfährt. Er hat einfach so etwas an sich das gefällt. Ja, und da dachte ich mir, oh nein, bitte nicht. Nicht der! Aber was will man. Sie hat sich den ausgesucht, das ist ihre Sache und ihr gutes Recht. Heute Mittag dann eben die E-Mail: Was soll ich? Soll ich ihn fragen, ob er in einer Beziehung ist oder nicht? Ich muss das doch wissen!

Weshalb eigentlich? Habe ich zurückgefragt, obschon ich sagen muss: Verstehen tu’ ich sie schon. Natürlich will man das wissen. Aber die Frage, weshalb, ist berechtigt. Weshalb eigentlich? Denkst du, er gehört dir dann auf sicher? Du kannst ihn dreiunddreissig Mal heiraten, er wird dir noch immer nicht gehören. Wenn man so berührt und begeistert ist von einem Menschen, dann möchte man ihn festhalten, am liebsten für immer behalten, zumindest anhalten, zu sich nehmen und drücken und nie mehr loslassen. Ein Mann ist aber kein Teddybär, auch kein Auto. Einen Menschen kann man nicht besitzen, er gehört sich selbst.

Aber man kann ihn lieben. Man kann sich freuen, wenn man ihn sieht. Man kann ihn beobachten und genau betrachten, ihm zuhören, nachfragen, ihm von sich erzählen, man kann für ihn kochen, ihn überraschen – man kann ihn respektieren und über das Wunder staunen, das er ist... man kann ganz vieles. Und so oft wollen wir nur eines: Ihn besitzen. Das geben wir nicht unbedingt zu, aber im Grunde möchten wir das schon – zumindest ich. Wenn ich mich frage, warum eigentlich, habe ich keine Antwort. Aber ich spüre, dass da so etwas wie Angst im Nacken sitzt. Die Angst, dieses Glück eines Tages nicht mehr zu haben, dass es mir davon fliegt oder vor mir flieht.

















Die Liebe aber, sie will nicht besitzen. Sie hält nicht fest, sie trauert nicht etwas nach, das vorbei ist. Aber sie lebt und geniesst den Moment. So, als gäbe es kein Morgen. Wenn ich so bewusst und intensiv lebe, habe ich fast gar keine Zeit, Angst zu haben. Weil ich eben so mit dem Moment beschäftigt bin und damit, diesen auszukosten. Und wenn ich jeden Moment auskoste, bin ich satt und zufrieden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich tief in meinem Herzen weiss, dass das Leben mich jeden Moment beschenkt. Nicht immer so, wie ich es gerne hätte, aber es beschenkt mich. Davon auszugehen, dass ich immer die richtigen Geschenke bekomme, hat für mich viel mit Gottvertrauen zu tun und dem Wissen, dass ich behütet und begleitet bin.


Sonntag, 15. Februar 2015

Feine Nachbarn

Attila und Aniko sind unsere Nachbarn. Nicht unsere einzigen, aber die, die uns am nächsten stehen. Als wir in Kontakt gekommen sind, ging es ganz schnell und wir diskutierten über sehr Persönliches. Aniko spricht gut Deutsch und ich staune, wie klar und differenziert sie sich ausdrücken kann. Attila spricht etwas weniger gut, aber mit Anikos Hilfe kann auch er sich mitteilen.
















Attila ist Sozialpädagoge und Aniko ist Lehrerin. Hier arbeiten sie als Reinigungspersonal. Jeweils über Weihnachten und Neujahr reisen sie in ihre Heimat und verbringen da etwa zwei Monate. Kurz vor ihrer Abreise im Dezember sind sie gezügelt, ins übernächste Haus. Die Wohnung ist ursprünglich eine Ferienwohnung, zwei Zimmer, schlicht eingerichtet. Heute sind wir zum Essen eingeladen, sie wollen uns ihr neues Zuhause zeigen. Sie begrüssen uns herzlich und präsentieren uns stolz ihre neue Bleibe. Sie tun das etwa so, wie wir Schweizer eine nigelnagelneue Siebenzimmer-Attikawohnung präsentieren würden. Wenn man eintritt, steht man mitten in der Küche, links ist der Esstisch, etwas weiter vorne die Kombination, zuhinterst im Raum ist eine Türe, wahrscheinlich das Badezimmer. Rechts geht ein Zimmer ab, da drin steht ein Bettsofa, eine Neuanschaffung, mit der sie sehr zufrieden sind. Rechts vorne beim Fenster steht ein kleiner Schreibtisch. Daneben sind Bücherregale, eine Leuchte und eine Pflanze. Etwas weiter rechts sind Einbauschränke. Im Moment leben sie in diesem Raum, das zweite Zimmer planen sie später einzurichten, sie hätten ja so Platz genug.

Nach der Besichtigung werden wir zurück in die Küche geführt und dürfen da Platz nehmen. Liebevoll ist aufgedeckt, schlicht dekoriert. Wir bekommen einen Champagner aus Ungarn angeboten, er schmeckt gut, leicht süsslich. Dann gibt’s Linsensuppe. Attila ist ein grandioser Koch, Suppen sind eine seiner Spezialitäten. Anschliessend gibt’s ein ungarisches Gericht, das uns in grosszügigen Portionen serviert wird. Dazu einen roten Wein, auch aus ihrer Heimat. Wir dürfen auch den weissen Wein probieren oder sollen sie für uns vielleicht noch einen weiteren Champagner öffnen? Oder wäre uns ein Bier lieber? Ja, gastfreundlich sind sie, sie teilen alles, was sie haben. Das ist genau das, was mich so anrührt, diese Einfachheit und Herzlichkeit. 

Wir diskutieren über Gott und die Welt, über ihre Situation und darüber, dass sie schon sehr gerne auch einmal etwas anderes arbeiten würden als putzen. Sie haben sich, kurz vor ihrer Abreise, beim RAV angemeldet, weil es im Winter oft weniger Arbeit gibt. Die Firma, bei der sie arbeiten, reinigt vor allem Neubauten und bei Minustemperaturen kann man keine Fenster putzen. Aniko meint, dass die Frau, die sie auf dem RAV beriet, ziemlich demotivierend gewesen sei, dass sie sich aber die Hoffnung nicht nehmen lassen würden.

















Nach dem Essen gibt es noch einen Schluck Kaffee und etwas Selbstgebackenes dazu. Beim Abschied füllen sie uns zwei Plastikgeschirrchen, das eine mit Linsensuppe, das andere mit dem Hauptgang, packen etwas Kuchen ein und geben uns zwei Bier mit. Sie betonen, wie sehr unser Besuch sie gefreut habe und wie schön es sei, dass wir einander kennen. 

Auf dem kurzen Nachhauseweg wundere ich mich darüber, dass wir mit vollgepackten Händen unterwegs sind – ich fühle mich reich beschenkt. Und wie wir in unser Haus treten, frage ich mich, wie sich wohl unsere Raumeinteilung gestalten liesse, wenn noch jemand bei uns wohnen würde. Wir sind ja nur zu Zweit und haben ein ganzes Haus für uns.