Mittwoch, 16. Mai 2012

Im Grünen

Es grünt so grün im grünen Chrattigen...




 



Sie und ich, wir waren heute Morgen die einzigen, die nicht grün und im grünen Regen anzutreffen waren.


Und dieses Kalb da, das fand, dieses Wetter sei nichts für Meinesgleichen, ich solle schauen, dass ich an die Wärme komme, hinter das Ofenbänkli oder sonstwohin. Als ich ihm darauf meine Wunderjacke präsentierte, die die Wärme speichert, das Wasser abstösst und die Hitze nach aussen transportiert, wurde das Kalb ungehalten und fragte mich, warum wir Menschen nur meinten, wir müssten immer etwas usehöische, wo es doch gar nichts zu höischen gäbe. 

Also machte ich mich davon - wer will sich denn schon von einem Kalb belehren lassen - und setzte mich schliesslich auf Umwegen aufs Ofenbänkli, das es bei uns ja gar nicht gibt, aber ich denke es mir halt. Das Füürli knisterte emel schampar freundlich, als ich nach Hause kam. 

Mit viel Befriedigung habe ich dann festgestellt, dass es wunderbar ist, an so einem Mittwochmorgen nichts Gescheiteres zu tun zu haben, als mich im Grünen zu tummeln und mich von Kälbern belehren zu lassen. Wie viel gescheiter dann das so genannt Gescheite ist, gäbe es jetzt noch auszudiskutieren.   

Sonntag, 6. Mai 2012

Sie fliegen wieder!


Jetzt haben die doch erst gerade so wunderschön geblüht, die Söiblumen vor unserer Haustüre. Und jetzt sind sie weiss. Einzelne Schirmchen sind zum Abflug bereit, andere sind schon längst geflogen.



 Ob die Söiblumen gelb sind oder weiss, sie sehen phantastisch aus. Und ob sie gelb sind oder weiss, ich möchte sie festhalten. Ja, ihr seid so schön, bleibt doch noch ein Weilchen! Oder unsere Apfel-, Birn- und Zwetschgenbäume und ihre Blüten, bleibt! Verblüht bitte nicht, niemals. Sie aber, sie tun einfach das, wofür Zeit ist: Blühen und verblühen und wachsen und Früchte tragen… und jede dieser Phasen hat ihren Zauber, ihre Faszination.

Heute Morgen bin ich um acht Uhr aufgestanden, im Pischi zum Briefkasten geflitzt, die Sonntagszeitung geholt, habe Kaffee gemacht, mich an den Küchentisch gesetzt, das Naturschauspiel beobachtet – ein leichter Nebelzug tanzte über den See – und da dachte ich auch: Oh, bleib! Du schöner Moment, du Sonntagmorgenruhe, bleib! Sie blieb nicht. Kurze Zeit später spazierte ich los, ins Bühl. Das ist ein grandioser Aussichtspunkt, von da sehe ich über den See bis hin zum Chasseral. Wunderschön! Still und ruhig lag der See da, so blau, wie blau nur sein kann. Ich ging weiter, der Weg ist jetzt umsäumt von frischem, grasgrünem Allerlei. Die Vögel haben mich mit einem Konzert verwöhnt, die Luft war frisch und kühl, die Sonne imponierte mir, der Regen erfrischte mich. Bleib! Du wunderbarer Moment, bleib! Und es wurde Mittag… Unglaublich aber wahr: Jeder Moment steckt so voller Leben! Immer wieder möchte ich die Zeit anhalten und denke gleichzeitig: Lass‘ los! Der nächste Moment ist schon da, auch der will erlebt sein.


Die Natur gibt mir ein gutes Beispiel: Von Moment zu Moment wächst und blüht sie, nimmt sich die Zeit, die sie braucht, gibt, was sie geben kann und will und folgt dem Lauf der Zeit. Sie wartet weder auf Anerkennung noch auf Bestätigung, sie macht sich keine Sorgen, kümmert sich nicht, hortet und spart nicht. Sie wartet nie, erwartet nichts – und ist bestimmt gerade darum so voller Leben und Energie.


Montag, 2. April 2012

Hey, ihr Bäume!

Ihr werdet jetzt wirklich wach, gellt?!
Sapperlot. Ja, ja. Das tut ihr jeden Frühling, schon seit unzähligen Jahren.
Aber hey, dieses Jahr schaue ich euch zu.


Schön seht ihr aus. Ja, ihr seid so ein bisschen knorrig, urig, alt. Ein bisschen runzlig vielleicht - und gerade deshalb besonders charakterstark. 


Allerdings wächst da jetzt etwas aus euch raus, das ist weder alt noch runzlig, das ist blutjung. Das hat Kraft. Das ist zart. Das weiss, was es will: Wach werden, sich entfalten, blühen und gedeihen. 


Ich freu' mich drauf. 
Wisst ihr eigentlich, wie oft ich mich im Winter um euch gesorgt habe? Diese Kälte, der viele Schnee. Ihr seid einfach da gestanden, still wart ihr - nicht einmal ein kleines Jämmerchen liesst ihr verlauten. Und habt dazu auch noch schön ausgesehen in eurem weissen Winterkleid. Ob ihr wirklich nicht gefroren habt, das habt ihr mir bis heute nicht erzählt. 


Ihr erzählt eh nicht so viel. Das heisst, ihr erzählt nicht in meiner Sprache. Aber reden tut ihr schon. Jetzt ganz viel. Nicht zu meinem Verstand, aber zu meinem Herzen. Irgendwie. Die Art und Weise spielt ja keine Rolle, Hauptsache, wir reden, bzw. kommunizieren oder haben weiss der Herr was für einen Draht zueinander - irgendeinen hätte ich schon gern. Von eurer Seite her ist das ja bestimmt kein Problem. Und ich werde mein Bestes geben.


Ich weiss zwar nicht, wie ich das anstellen soll, aber hey, ich bin lernfähig. Und je länger ich hier wohne, je mehr habe ich den Eindruck, dass es das Selbstverständlichste der Welt ist, dass ich euch, meinen Mitbewohnern, Beachtung schenke und eben zwischendurch unter euch stehe, an euch hinauf staune und so ein bisschen berichte von mir und dem, was ausserhalb dieses Stückchen Landes so läuft. Oder sollte ich besser zuhören? Na ja, wohl nicht nur, aber vielleicht vor allem.


Jedenfalls freue ich mich auf das, was kommt. Auf eure Blätter, die Blüten und ja, eines Tages werde ich eure Früchte essen. Und einmachen und vermosten und verdörren und verküchelen und verdesserlen... Mmh! 

Auf euch, ihr Bäume. Und dass ihr meine Brüder seid und mich als eure Schwester irgendwie in eure Herzen aufnehmt. Oder zumindest in eure Äste, so als kleiner Glückswurm oder so.


Dienstag, 20. März 2012

Wenn der Frühling per Post kommt...


...dann sieht das in etwa so aus:









Der Frühling muss mich lieben,
sonst würde der sich nicht so
bei mir melden! :-)


Sonntag, 11. März 2012

Auf einmal wart ihr da...


... seither bestaune ich euch


ihr blüht
und tuschelt und lacht
mich aus, mich an



wer bist du?
fragt ihr
und gedeiht
still und leise


geniesst die Sonne
bleibt wacker stehen
bei Wind und Kälte
ja und?


wir waren schon immer da
wir gehören dazu
dieser Flecken Erde
ist unser Zuhause


wir
stehen dem Winter Spalier
dass er sich verabschieden vermag
jubeln dem Frühling zu


kommt!
Sonne und Wärme und Licht
dass die Erde erwacht
und ihre Menschen
dass sich entfaltet und zeigt
was im Verborgenen liegt


ihr wart 
also nicht auf einmal da
sondern ich
und ihr zeigt mir
um was es geht
auf diesem Flecken Erde
in diesem Leben
an diesem Tag.


Donnerstag, 1. März 2012

Iz wird gwäsche!


Zugegeben, seit wir auf dem Lande wohnen, da wird nicht mehr so häufig gewaschen. Wir haben nämlich herausgefunden, dass man ein Kleidungsstück ganz gut auch noch eine Woche auf der linken Seite tragen kann... na ja, ganz so ist es nicht... nur fast... fast wäre es soweit gekommen. Was will frau anderes, wenn einem die Waschmaschine einfriert oder zumindest die Leitungen? Äbe. Und jetzt ist alles wieder voll funktionstüchtig und darum gab es sozusagen eine Frühlingswäschete. Alles habe ich vor unserem Heimetli aufgehängt. 
Schön sah das aus:




Na ja, so schön auch wieder nicht. Aber natürlich sieht unsere Wäsche viel besser aus als auf diesen Bildern. Weiss der Henker, weshalb die Teile so verwaschen wirken. Ich gehe davon aus, dass denen die Winterstarre noch etwas anhängt. 

Wie auch immer: Ich bin mir selbstverständlich bewusst, dass meine Wäsche an sich nichts besonderes ist für die grosse weite Welt. Aber für mich ist sie das. Das heisst, nicht die Wäsche, aber die Tatsache, dass ich an einem 1. März alles raushänge und das dann auch trocknet, fast alles jedenfalls und ich am Abend mit der Bettwäsche - die tu' ich ganz sicher nicht in meinen Schrank stecken, wo ihr Duft zflöte gieng, nein, die tu' ich grad wieder an mein Wunderduvet und Kissen und dann kann ich vor lauter Frühling fast nicht pfuusen, weil dieser wunderbare Frühling so himmlisch riecht. Das ist DIE Art von Schlaflosigkeit, die sich aus meiner Sicht lohnt und zwar bis zum Mond und wieder zurück.

Und noch was: Es sind genau diese Winzigkeiten, die das Leben auf dem Land so grossartig machen. Das heisst, es sind keine Winzigkeiten mehr, sondern grandiose Alltagsbeglückungen. Darum: Krattigen, ich liebe dich!

Sonntag, 26. Februar 2012

Frühling, gerade jetzt...



Du
schleichst leise
in mein
Herz und Gefühl
in meine
Nase und Gedanken


lädst mich ein
dem Schneeschmelzen
zu zuschauen
dem Vogelkonzert
zu zuhören
dem Sonnenbänkli
zu zutrauen


ich erinnere dich
an die Wetterschmöcker
und den winterlich
vorausgesagten
März


März, was ist das?
fragst du
heute ist heute
und heute
schenk‘ ich dir Wärme
und Sonne
und mich



Nimm‘ mich,
geniess‘ mich
werd‘ warm
mit meiner Sonne
und mir

und frag‘ die Tulpen,
die heute blühen,
was sie halten
von Übermorgen
und
vom März.